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17 Nov 2015

Wenn die Angst greifbar wird. Ein Kommentar

Posted by Christina. Kommentare deaktiviert für Wenn die Angst greifbar wird. Ein Kommentar

Der vergangene Samstag war anders als andere Samstage in diesem Jahr zuvor. Dabei hatte er begonnen, wie immer. Ich war zum Schwimmen gegangen, ich hatte eingekauft und saß nun bei einer Tasse Kaffee vor meinem Computer. Nebenbei hörte ich, auch aus Gewohnheit, Radio. Wie gesagt, alles war wie immer. Bis ich die Nachrichten im Radio hörte. Bis ich von den Anschlägen in Paris Freitagnacht hörte. Bis ich von den Toten hörte und bis, ja, bis ich merkte, dass dieser Samstag ganz anders werden würde, als alle Samstage in diesem Jahr zuvor.

Zunächst versuchte ich mir über diverse Sondersendungen einen Überblick über das zu verschaffen, was überhaupt in Paris passiert war. Dabei merkte ich, dass eine reine Aufnahme der unfassbaren Bilder oder die bloße Rezeption der Informationen gar nicht möglich war. Ich kenne niemanden im Paris und bin insofern nicht persönlich betroffen. Und trotzdem bin ich es doch. Warum frage ich mich? Weil der Angriff in einer europäischen Stadt stattgefunden hat und nicht irgendwo in Afrika oder im Nahen Osten? Ja, genau. Und warum? Weil der Terror damit praktisch auch an meine Haustür geklopft hat. Weil dieses Massaker plötzlich kein weit entferntes Säbelrasseln mehr ist, sondern eine reale Bedrohung.

Als ich am Samstagnachmittag im Kino sitze, ertappe ich mich dabei, wie ich zur Eingangstür schaue und überlege, welche Chancen ich hätte, wenn jetzt eben solche fanatischen Kämpfer den Saal stürmen und um sich schießen würden. Vermutlich keine. Und genau das ist es, was mir Angst macht. Es gibt keine „konkreten“ Gegner, wie wir sie zum Beispiel im „Kalten Krieg“ in zahlreichen Kino-und Fernsehfilmen dämonisieren konnten. Nein, das Gesicht dieses Terrors ist die unfassbare Kaltblütigkeit (auch wenn das Motiv hochemotional ist) mit der vorgegangen wird: Menschen, verblendet von Hass, infiltriert von unversöhnlichen tödlichen Botschaften stürmen unmaskiert und mit aller Seelenruhe Konzertsäle, Restaurants, Bars und sogar offene Straßen, um jeden zu töten, der vor ihr Zielrohr kommt oder im Umkreis der Bombenexplosion ihres Sprenggürtels steht.

Und noch etwas macht mir Angst. Das Gerede von Krieg, von Härte und weiteren Drohungen seitens französischer hochrangiger Politiker: „Wir werden schonungslos sein“, tönt es aus dem Elysee Palast. Als Folge schickte der französische Präsident in der Nacht von Sonntag auf Montag seine Luftwaffe abermals nach Syrien, um Stellungen des Islamischen Staates zu bombardieren. Als der französische Innenminister gestern im Fernsehen von Razzien spricht und ankündigt, dass weitere geplant sein, frage ich mich, ob ein Selbstmordattentäter, der so vorgeht, wie ich es oben beschrieben habe, ernsthaft vor Razzien Angst hat? Und wer wird denn bei den Bombenangriffen in Syrien wirklich getötet? Sind das tatsächlich nur IS-Kämpfer (und ist das so gezielt überhaupt möglich?) und nicht auch Zivilisten? Und befeuern wir mit diesen Bombenangriffen in Irak, in Afghanistan, in Syrien und wo auch immer, nicht immer weiter den Zulauf zum IS? Produzieren wir damit nicht immer mehr Menschen, die eben, weil sie nichts mehr zu verlieren haben, sich dem Terror anschließen, um es endlich denen heimzuzahlen, die ihnen in ihren Augen alles genommen haben?

Im Morning Briefing des Handelsblatts vom 16.11.2015 standen gestern ein paar sehr wichtige Zeilen, die jeder Politiker, Staatsmann aber auch Bürger einmal überdenken sollte, bevor er von „Kriegszuständen“ spricht: „Aber für das feindliche Klima zwischen den Kulturkreisen trägt der Westen eine Mitschuld.“ Erscheint es im Lichte dieser Aussage nicht geradezu kontraproduktiv, gerade jetzt syrische Flüchtlinge auszusperren und sie der Hoffnungslosigkeit zu überlassen? Sollten wir nicht gerade jetzt, Verbündete suchen und Freunde finden als Gefahr zu laufen noch weitere Selbstmordattentäter zu produzieren, die nichts als ihr Leben zu verlieren haben? Und wollen wir wirklich riskieren, dass aus Syrien ein IS-Staat wird und wir uns in Europa nur noch vermeintlich sicher fühlen, wenn ständig Polizisten mit Kalaschnikows durch die Straßen patrouillieren und Geheimdienste alles, aber wirklich alles überwachen, was wir tun, sagen und denken, weil plötzlich jeder ein Verdächtiger ist? Und darüber hinaus: Was hat uns die Geheimdienstüberwachung denn bisher gebracht? Hat es nicht trotzdem sowohl einen 11. September in den USA gegeben als auch die Anschläge in Madrid 2004 oder in London 2005?

Mir ist gestern das Lied „If the Russians love their children too“ von dem Sänger Sting in den Sinn gekommen. Geschrieben eben aus der Angst des Kalten Krieges heraus, dass die Russen die Atombombe zünden könnten. Aber, wer hat diese Atombombe denn als alles vernichtende Waffen erfunden? Das waren weder Russen, noch Araber, noch Asiaten. Nein, das war ein Amerikaner deutschen Ursprungs. Und nochmals weiter gedacht in Richtung Mitschuld des Westens. In dem bereits zitierten Morning Briefing des Handelsblatts schreibt Gabor Steingart weiter: „Von den 1,3 Millionen Menschenleben, die das Kriegsgeschehen von Afghanistan bis Syrien mittlerweile gekostet hat, bringt es allein der unter falschen Prämissen und damit völkerrechtswidrig geführte Irak-Feldzug auf 800.000 Tote. Die Mehrzahl der Opfer waren friedliebende Muslime, keine Terroristen. Saddam Hussein war ein Diktator, aber am Anschlag auf das World Trade Center war er nachweislich nicht beteiligt.“ Die beiden Weltkriege, so ließe sich weiter überlegen, gehen auf das Konto Europas. Die Waffen mit denen uns Kämpfer aus dem Nahen Osten bedrohen, dürften aus amerikanischen und deutschen Produktionsstätten stammen. Ist es wirklich das, was wir wollen: Frieden und Freiheit erkauft mit einem weiteren Krieg und den Menschenleben ziviler Opfer?

Wir brauchen keinen Krieg und wir brauchen auch keine Demagogen. Und vor allen Dingen brauchen wir keine Politiker, die an ihre eigene Karriere denken und sich dafür scheuen, die Wahrheit zu sagen. Sicherheit ergibt sich nicht aus Gewalt, sondern aus Kommunikation. Wir sollten damit aufhören, die Symptome zu bekämpfen und über die Ursachen sprechen – offen und ehrlich. Ja, der vergangene Samstag war anders als andere Samstage in diesem Jahr zuvor. Und ich hoffe inständig, dass es so einen Samstag nie wieder geben wird.

Zum Weiterlesen:

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30 Okt 2015

Warum es sich lohnt, mit dem Denken anzufangen

Posted by Christina. Kommentare deaktiviert für Warum es sich lohnt, mit dem Denken anzufangen

Früher waren sie Pflichtprogramm, heute schalte ich sie immer seltener an: Nachrichtensendungen im Fernsehen. Warum? Medienmüdigkeit, Nachrichtenüberflutung, Flucht vor der Realität? Zweifel daran, ob das, was mir jeden Tag für 15, 20 oder auch 30 Minuten vorgesetzt wird, der objektiven Wahrheit entspricht, wenn diese überhaupt existiert? Irgendwie habe ich tagsüber doch bereits in diversen Newslettern und Nachrichtenseiten online eh schon alles gelesen. Ich will mich auch nicht mehr täglich damit auseinandersetzen – oder besser gesagt, es ja einfach nur konsumieren -, welche europäische Grenze nun gerade wieder geschlossen wurde, welcher Politiker die Flüchtlingskrise für seine Positionierung in nächsten Wahlkampf missbraucht oder wo mal wieder Brandsätze geflogen sind. Obwohl, halt, stopp! Die fortschreitenden Ressentiments gegenüber Flüchtlingen beschäftigen mich schon. Nicht so sehr nachrichtentechnisch. Nein, es ist eher das „Warum“? Warum gibt es Menschen, die die Flüchtlinge bereits hassen, obwohl sie noch gar nicht in Deutschland angekommen sind. Die also maximal eine Vorstellung davon entwickelt haben können, mit wem sie eventuell irgendwann mal etwas zu tun haben könnten? Und jetzt mal Hand auf’s Herz: Wie viele von uns waren schon in direktem Kontakt mit Flüchtlingen oder haben mit ihnen gesprochen? Ich frage mich, ob es sich bei der Hetze gegenüber den Wirtschafts- oder Kriegsflüchtlingen nicht um eine klassische Projektion der eigenen Ängste und Unzulänglichkeiten auf die „Fremden“ geht. Also einen Abwehrmechanismus, den die Wikipedia wie folgt beschreibt: „Der Begriff Projektion umfasst das Übertragen und Verlagern eines innerpsychischen Konfliktes durch die Abbildung eigener Emotionen, Affekte, Wünsche und Impulse, die im Widerspruch zu eigenen und/oder gesellschaftlichen Normen stehen können. Eine solche Projektion richtet sich auf andere Personen, Menschengruppen, Lebewesen oder Objekte der Außenwelt“.

Aus rein wirtschaftlicher Perspektive ist es vielleicht sogar verwunderlich, dass nicht noch mehr Menschen unterwegs sind. Unterwegs in die Länder, die als vermeintlich reich oder Freedom House statistics gelten. Hier ein einfacher Lösungsvorschlag: Vielleicht sollten einfach die 1 % der Weltbevölkerung, die so viel besitzen, wie der Rest, einen eigenen Start gründen und dort können wir dann all die Flüchtlinge hinschicken? Und, ist nicht auch die Flucht in ein anderes Land allein aus wirtschaftlicher Not verständlich. Wir einem nicht überall suggerieren, man wäre ja blöd, wenn man nicht so billig wie möglich konsumiere und so reich wie möglich in seinem (Berufs-)Leben werde? Allein der Blick darauf, was inner- und außerhalb Europas für Lebensmittel durchschnittlich ausgegeben werden muss, lässt ein paar Fragen aufkommen. Während ein Deutscher durchschnittlich 15 % seines Ausgaben für Lebensmittel aufwenden muss, sind es in Ägypten 40 %. D.h. wenn der Deutsche satt ist, dann hat er immer noch 85% seines Gehalts für alle weiteren Ausgaben zur Verfügung, während ein Ägypter nur noch mit 60 % seines Verdienstes haushalten kann. Keine Ahnung, wie die Deutschen reagieren würden, wenn sie plötzlich mindestens das Doppelte ihrer bisherigen Ausgaben im Monat für Lebensmittel berappen müssten, aber ich könnte mir vorstellen, dass man „not amused“ wäre.

So und dann zum Thema Demokratie. Nehmen wir uns so eben genanntes Beispiel. Die Lebensmittelpreise steigen also in Deutschland gut um das Doppelte. Wie ruhig würde es dann hier wohl auf den Straßen bleiben und wie demokratisch würde darüber diskutiert werden und wie würde die Regierung auf den Unmut der Bevölkerung reagieren? Die Finanzkrise in 2007/2008 hat zumindest in den USA gezeigt, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung und auf Protestkundgebungen doch wohl irgendwann Occupy Wall Street. Und auch in Bankproteste in Deutschland war man über den „unkapitalistischen“ Unmut manches protestierenden Bürgers nicht besonders erbaut. Aber spätestens jetzt packt den aufgeweckten und reflektierten Leser angesichts dieser Zahlen, wenn nicht die Wut, so das Unverständnis: 175 Mrd. Dollar hatten die neun größten US-Banken im Jahr 2009 als Staatshilfe erhalten – gleichzeitig zahlten sie in diesem Jahr aber auch 32,6 Mrd. Dollar (23,7 Mrd. Euro) an Boni aus. In Europa waren die Summen zwar nicht ganz so drastisch, aber auch hier wurden mitten in der Krise, während Steuermilliarden in die Bankenstützung flossen und abseits der Finanzwirtschaft Tausende ihre Jobs verloren, Millionenzahlungen an Bankmanager ausbezahlt. Wer liegt denn dem Bürger hier mehr auf der Tasche? Der Banker, der gestrauchelte Manager mit seinem Abfindungsköfferchen oder der mittellose Flüchtling, der vielleicht irgendwann sogar mal in die Rentenkasse einzahlt? Die Vermutung liegt nahe, dass so mancher Manager mittlerweile mehr Arbeitsplätze und Zukunftsträume verbrannt hat, als uns Flüchtlinge jemals streitig machen könnten. Aber vielleicht machen sich Banker, Manager und Co. dadurch sympathischer, dass sie in abgeschotteten Luxusvillen leben und nicht in Massenunterkünften, sodass sich der Kontakt mit den Normalbürger in (medialen) Grenzen hält?

Dann ein dritter Punkt, der ebenfalls eine Schnittmenge mit dem Thema „Flüchtlinge“ aufweist: Die Konzentration der Medienberichterstattung auf die Despotien dieser Welt: Hier gibt es z.B. „Neues“ vom WZB-Forschungsprofessor John Keane . Der Artikel erschien in der „Deutschen Zeitschrift für europäischen Denken“. Nomen est omen? Heißt das im Umkehrschluss (Honi soit qui mal y pense), dass in der westlichen Hemisphäre oder zumindest in Europa alles „sauber“ ist, während der z.T. ex-kommunistische Rest der Welt in Despotie versinkt? Hoppla, bestimmt ein Fall für die Weltpolizei, die USA. Ach ja, da sind ja im nächsten Jahr Wahlen mit so lupenreinen Demokraten, äh Kandidaten wie z.B. Donald Trump an. Schöne Aussichten. Wie geht doch gleich das Sprichwort: wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen? Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Einwanderer in den USA oder in Europa gerechte Bezahlung oder gerechte Behandlung werden. Wieder eine klassische Projektion (und damit will ich keinesfalls russische, chinesische oder auch saudi-arabische Staatsmänner in Schutz nehmen). Die Schlimmen, das sind immer die anderen. An dieser Stelle sollte man aber nicht vergessen, dass nicht zuletzt auch Europa mit einigen Despoten gute Geschäfte gemacht hat, wenn es darum ging, Flüchtlinge buchstäblich „in die Wüste“ zu schicken.

Darum lohnt es sich also, mit dem Denken anzufangen.

Zum Weiterlesen:

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26 Okt 2015

Ich bin doch nicht „Bled“ oder doch?

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Da ich mal im Ländle gewohnt habe, musste ich bei dem Name „Bled“ natürlich schmunzeln. Sofort viel mir der Werbespruch eines Elektronikmarktes ein, der einst seine Kunden zum „schlau sein“ aufrief, indem sie die Angebote des besagten Geschäfts nutzen und damit – angeblich – sparen sollten, was das Zeug hält.

Nun denn, darum geht’s hier aber gar nicht. Es geht viel mehr um einen sehr schönen und beschaulichen Kurort in den Julischen Alpen, der sich als idealer Ausgangspunkt für herrliche Touren im Triglav Nationalpark anbot. Wer also dem „Getrampel“ in den Dolomiten entgehen will, dem empfehle ich Slowenien und natürlich das Wahrzeichen Bled, die Kremsnita!

Lust auf weitere Bilder von schönen Wander- und Fahrradreisen? Dann schaut euch in meinen Bilderwelten um! Viel Spaß dabei.

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14 Jun 2015

Ora et labora

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Was hat der Besuch des Klosters Walkenried im Harz mit dem Nahen Osten zu tun? Richtig, die Gesschichte der Klöster begann im Nahen Osten. Genauer gesagt in Ägypten (Antoniuskloster) und in Palästina. Die ersten Klöster sind im 4. Jahrhundert aus Einsiedlerkolonien hervorgegangen. Das von 361 bis 363 in Ägypten errichtete Antoniuskloster (Antonius dem Großen gewidmet) wird als das älteste christliche Kloster der Welt angesehen.

Die christliche Klostergeschichte begann also im Nahen Osten. Die ersten „westlichen“ Klöster wurden dann in 500 n.Chr. zunächst in Frankreich gebaut. Beim Kloster Walkenried handelt es sich um ein Kloster des Zisterzienser-Ordens. 1098 wurde das „Headquarter“ der Zisterzienser im burgundischen Citeaux gegründet. Von hier aus verbreitet sich der neue Orden der „Weißen Mönche“ – ihre Ordenstracht ist im Gegensatz zu den schwarzen Kutten der Benediktiner weiß – in einem schnellen Tempo über ganz Europa. „Markenzeichen“ dieses Ordens ist der Anspruch aus eigener wirtschaftlicher Kraft zu leben. Dafür bestand der Ordens aus „adligen“ und „bäuerlichen“ Mönchen. Die bäuerlichen Mönche, die sogenannten Laienbrüder, waren dabei die Arbeiter, die für die Bestellung der Güter sorgten. Nach zwei Jahrhunderten der Prosperität wird das Kloster im 15. Jahrhundert von einer wirtschaftlichen Krise und Baueraufständen erfasst; Ende des 16. Jahrhunderts verschwindet das Kloster zunächst in der Bedeutungslosigkeit.

Die Ruine der ehemaligen gotischen Klosterkirche, der doppelschiffige Kreuzgang, die Klausur und der ehemalige Kapitelsaal können heute noch besichtigt werden. Es lohnt sich, einer der ca. 1 stündigen Führungen mitzumachen.

Besonders gut hat mir dieses Gedicht am Eingang zum ehemaligen Kapitelsaal, der heute als Kirche genutzt wird, gefallen:

Etwas sagt:
Du schaffst es nicht mehr
vielleicht schaffst Du es nie

obwohl
Du
nichts merken willst

irgendwo
in Deiner Ohnmacht
klebst Du
hängst Du
schweigst Du Dich fest

wirf ab …

Ich bin da
spürst Du es nicht

komm jetzt –
Du kommst –
und kommst an

(Sr. Christamaria Schröter, Bleib der Wolke nah).
http://www.petrabettermann.de/gedichte-texte/

Vom Kloster Walkenried ging es dann über den Eselstreiberweg, die Bremer Klippe und Helenruh entlang des Kaiserwegs zu Fuß nach Braunlage.

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6 Jun 2015

Saudi Arabian urban life unexpectedly normal by U.S. standards

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Unglaublich aber war: Ein amerikanischer Austauschstudent in Saudi Arabien, genauer gesagt in Riyad, hat sehr zu seiner Überraschung feststellen müssen, dass das städtische Leben in der saudi arabischen Hauptstadt gar nicht so viel anders ist als in einer vergleichbaren amerikanischen Stadt.

In einer meinem Blog gleichnamigen Rubrik, nämlich dem Middle East Messenger, erzählt der amerikanische Student Cody Knipfer von seinen Erlebnissen in dem dem Westen weitestgehend unbekannten Wüstenstaat

In westlichen Medien als auch in westlichen Fantasien wird Saudi Arabien mit Rückständigkeit, Frauenunterdrückung, Ölreichtum, Kameltreibern und anderen Stereotypen in Verbindung gebracht, da ist es besonders erfrischend, dass eine Stimme der Hoffnung gerade aus dem konservativen und weltretterisch veranlagten Amerika kommt: “Change is coming,” Knipfer says. “Saudi Arabia is in conflict with itself, torn between the global culture and Islamic tradition. The younger generation has grown up with the Internet while the older generation hasn’t experienced outside influence.“

Two thumbs up for Cody!

Recommended readings: McDaniel students help demystify the Muslim world at international conference
Middle East Messenger

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6 Jun 2015

Was hat Menschenhandel mit dir zu tun?

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Menschenhandel als Wegbereiter für eine moderne Sklaverei?

Menschenhandel als Wegbereiter für eine moderne Sklaverei?

Was hat Menschenhandel mit dir zu tun? „Natürlich nichts“ werden sich jetzt die meisten denken. Frage: Schon mal günstiges Fleisch im Supermarkt gekauft? Schon mal bei Primark günstige Klamotten gekauft? Schon mal im Puff gewesen? Schon mal eine osteuropäische Pflege- oder Putzkraft beschäftigt? Wenn du eine oder mehrere dieser Fragen mit „ja“ beantwortest, dann bist du schon mittendrin – im modernen Sklavenhandel.

Am Mittwoch (03.06.2015) wurde im Haus der Kulturen eine Plakatausstellung zum Thema „Menschenhandel – hier und heute“ eröffnet. Hier ein paar Fakten aus den Schilderungen der Veranstaltungsrednern und aus der begleitenden Plakatausstellung: neben dem Handel mit Waffen und Drogen ist der Handel mit Menschen eines der weltweit lukrativsten Geschäfte und eine der profitabelsten Einnehmequellen. Die Opfer des Menschenhandels, die in Deutschland „landen“ stammen oftmals aus Osteuropa, insbesondere aus Bulgarien und Rumänien. So gesehen war die „Eingemeindung“ dieser Länder in die EU für die Menschenhändler sicherlich ein Segen und hat ihrem Geschäft nochmals einen ordentlichen Schub gegeben. Aber Vorsicht, bevor ihr jetzt meint, bereits die Schuldigen ausgemacht zu haben und ihr euch entspannt zurücklehnt: bitte nicht vergessen, dass der Markt von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. D.h., wenn keiner mehr günstige Lebensmittel nachfragt, wenn keiner mehr günstige Klamotten nachfragt und wenn keiner mehr günstige Prostituierte sucht, dann wird das einstmals lukrative Geschäft ganz schnell uninteressant für die Menschenhändler. Denn, eine Ware, die keiner will, lässt sich eben nicht verkaufen. Compris?

Thoren Biethan von der Polizeidirektion Braunschweig erzählt, dass eine „Garantieschleusung“ für Frauen aus Nigeria zwischen 50.000 – 80.000 Euro pro Person kostet. Ein sehr hoher Betrag für Viele von uns, aber sicherlich ein unvorstellbar hoher Betrag für eine mittellose Person aus Afrika. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, wo das Geld denn herkommt? Dann seht euch mal auf dem lokalen Rotlichtviertel um und fangt mal an zu rechnen, wie viele Freier so eine Frau bedienen muss, um 50.000 Euro abzustottern, wenn ca. 20 Minuten Freier-Prostituierte-Kontakt für 30 Euro über den Ladentisch gehen und viele Freier noch die Chuzpe haben, diesen Preis um 10-20 Euro zu drücken. Keine Ahnung, was für ein Menschenschlag das ist, der die Notlage anderer derart schamlos ausnutzt.

Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sieht vor, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Ist das wirklich so oder gilt das nur, so lange der Mensch weiß ist oder die „richtige“ Religion hat oder reich ist und damit Macht hat?

Die Aussagen zweier Zwangsprostituierter haben mich nachdenklich werden lassen und sehr traurig gemacht: „Wenn die Männer kamen“, so erklärte es eine nigerianische Zwangsprostituierte, „und meine Hautfarbe sahen, dass dachte sie, mit der können wir alles machen.“ Eine zweite Frau mit dem gleichen Schicksal aus Bulgarien, 34 Jahre alt, sagte: „Wir müssen lernen, selbst zu denken und zu handeln. Nie durfte ich bis jetzt selbst entscheiden.“

Gleichfalls haben mich die Lohn- und Beschäftigungsverhältnisse beispielsweise in der Fleischindustrie schockiert: 2,30 Stundenlohn, unbezahlter Urlaub und 70 Stunden Woche. Jeder deutsche Arbeitnehmer würde dankend ablehnen oder auf die Barrikaden gehen.

Schließlich radle ich gedankenverloren und traurig über das Gehörte nach Hause. Plötzlich fällt mir auf, wie schön die Straße, die ich gerade entlangfahre ist, mit ihren grünen Bäumen, mit dem Vogelgezwitscher und der Sonne in meinem Gesicht. Mir fallen die Zeilen aus einem Herbert Grönemeyer Lied ein, in dem es heißt: „Die Erde ist freundlich, nur wir sind es nicht!“

27 Millionen Menschen leben weltweit derzeit in sklavenähnlichen Zuständen.

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31 Mai 2015

Quo vadis Europa?

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Flüchtlinge, Flüchtlingsströme und -schicksale, das alles fand für mich bislang im Fernsehen statt, also mit viel Abstand zum wirklichen Geschehen, zugegebenermaßen. Was es heißt, mit der „Flüchtlings-Situation“ direkt konfrontiert zu werden, konnte ich vor Kurzem auf meiner Rückreise von Südtirol nach München und zuletzt gestern im Theater in dem Stück „Fliehen & Forschen“ erfahren.

Es ist erst meine zweite Fahrt mit dem Eurocity zwischen Verona und München. Meine erste Fahrt mit dem „Brennerexpress“ hatte genau eine Woche früher in umgekehrter Reihenfolge stattgefunden. Auch auf der Hinfahrt waren ein paar Afrikaner im Zug gewesen. Aber zum Wandern wollte von denen wohl keiner. Als ich dann die Rückfahrt von Bozen nach Deutschland antreten will, stutze ich aber schon, als ich auf den Bahnhof komme und den überfüllten Bahnsteig sehe. Die wollen alle in den Eurocity?, dachte ich zunächst. Menschen, die T-Shirts mit der Aufschrift „Aid Worker“ trugen, fielen mir auf. „Diese“ Afrikaner scheinen wohl keine Urlauber sondern tatsächlich Flüchtlinge zu sein.

Tatsächlich ist der Zug dann sehr voll. Fast alleine sitze ich in „meinem“ Waggon mit zahlreichen Afrikanern, die sich angeregt unterhalten. Ich quetsche mich in meinen Sitz, lese ein Buch und ertappe mich aber immer wieder dabei, dass ich meine Sitznachbarn beobachte. Ich frage mich, wo die Afrikaner wohl herkommen, warum sie in diesem Zug sind, was sie wohl erlebt haben. Ich frage mich aber auch, was sie wohl in Deutschland machen werden und ob sie in München bleiben?

Die Afrikaner wirken auch mich nicht unglücklich, traumatisiert oder als wären sie ‚gerade mit dem Leben‘ davongekommen. Aber natürlich weiß ich es nicht, ich vermute es nur. Tatsächlich mache ich mich noch kleiner in meinem Sitz als mein Sitznachbar einschläft und sein Kopf und seine Hand auf „meine“ Seite fallen. Zugegeben, toll finde ich das nicht. Die Hand lege ich auf „seinen“ Sitz zurück. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das in seinem Land tun würde. Oops, verhalte ich mich gerade typisch deutsch oder gar „flüchtlingsfeindlich“? Ich weiß es nicht, aber ich will seine Hand einfach nicht auf meinem Knie.

Als wir in München ankommen bemerke ich, dass viele Bundespolizisten auf dem Bahnsteig stehen und wohl schon die Flüchtlinge erwarten? Ich schaue in die Gesichter der Polizisten. Besonders freundlich sehen sie nicht aus – sie schauen eher so, als würden sie „schwarzen Schafe“ unter den Flüchtlingen aufspüren wollen. Auch das natürlich nur ein Eindruck, eine Vermutung.

Als ich in meinem Anschlusszug sitze, denke ich über mein Verhalten, meine Gefühle und meine Gedanken nach. Ich stelle fest, dass es etwas ganz anderes ist, Flüchtlinge in Booten im Fernsehen zu sehen oder neben ihnen im Zug zu sitzen. Es ist anders, fremd? Aber warum, weil ich voll mit Clichés bin? Weil ich von den Medien und Vorurteilen beeinflusst bin? Ich weiß nichts über die Menschen, die da zu uns kommen und vielleicht geht es diesen Afrikanern genauso? Ich finde, ich sollte mir mehr Gedanken über meine Einstellung machen und woher diese kommt. Vielleicht sollten wir das alle tun, denn, könnte nicht jeder von uns einmal in eine ähnliche Situation kommen und wäre nicht jeder von uns froh, mit einem Lächeln und ohne Vorurteile willkommen geheißen zu werden?

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19 Apr 2015

„Ich war der Schwarze unter den Roten“

Posted by Christina. Kommentare deaktiviert für „Ich war der Schwarze unter den Roten“

Zeitzeugen
Braunschweigs Alter BahnhofZeitzeugen berichtenLido BraunschweigFrau Li erzählt

Es ist „Themenwoche Interkultur“ in Braunschweig und wahrscheinlich hatten wir sie nötiger als heute, in Zeiten von Pegida, Bragida und wie sie alle heißen.

Im Zuge eines interkulturellen Spaziergangs ließ sich von den zwei Stadtführerinnen, eine mit russischen und eine mit chinesischen Wurzeln, als auch von Zeitzeugen viel Interessantes zu erfahren, denn mittlerweile leben in Braunschweig Menschen aus mehr als 140 Ländern. Vom Staatstheater ging es zunächst zur AWO am Steinweg, wo ein erster Zeitzeuge, ein Kriegsflüchtling aus dem ehemaligen Jugoslawien, Erfahrungen aus seinen Anfängen in Braunschweig vor 20 Jahren mit uns teilte. Wahrscheinlich kann man sich nur in Ansätzen vorstellen, wie es sich anfühlen muss, wenn man in seinem Heimatland als Staatsanwalt gearbeitet hat und dann in der „neuen Heimat“ zunächst in einer Spielhallte landet.

Vom Steinweg ging es dann zur Christussäule am Burgplatz und weiter in die Innenstadt und schließlich zum „Alten Bahnhof“ von Braunschweig, der heutigen Landessparkasse.

Der 1960 eröffnete Bahnhof bot den eintreffenden Arbeitsmigranten einen ersten Blick auf die Stadt. Dort treffen wir zwei weitere Zeitzeugen, diesmal zwei Herrn aus dem Kongo: Joseph Begeame und Christoph Kabambe. Unsere beiden Erzähler sind in den 60er-Jahren über die damalige Carl-Duisberg-Gesellschaft nach Deutschland gekommen. Zusammen mit zwei Deutschen gründeten sie die Band „Afro Ritmo“, die bis 1973 Rhythmen aus der Heimat spielte. Ihre Mitstreiter, so erzählt Kabambe haben sie über einen Zufall kennengelernt. Über eine falsch gespielte Note, die ein „F“ hätte sein müssen, begann ihre Freundschaft. Später gibt Kabambe bei Kaffee und Keksen im kleinen Haus noch eine weitere Geschichte zum besten. Er erzählt, wie sie als Carl-Duisberg-Stipendiaten zu Weihnachten bei einer deutschen Familie eingeladen gewesen wären. Als sie bei der Familie ankommen, ist die Dame des Hauses in Tränen aufgelöst. Die beiden fragen, was denn der Grund für die Tränen sei. Da gesteht die Hausfrau, dass die Kartoffeln durch die halbstündige Verspätung der beiden nur zerkocht seien. Die beiden Kongolesen sehen sich verständnislos an. In ihrer Heimat werde mit dem Kochen erst begonnen, wenn der Gast eingetroffen sei, da man ja nicht wissen könne, wann und ob er überhaupt käme. So schön kann interkultureller Austausch sein:-).

Ach, und was es mit dem Titel dieses Beitrags auf sich hat? Nun, Kabambe ist seit Langem in der lokalen Politik engagiert und wurde der Schwarze und den Roten (SPD) genannt.

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3 Jan 2015

Monsieur Claudes Dilemma

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Monsieur Claude ist ein wahrer Bilderbuchfranzose, wie er wahrscheinlich in jeden Fremdsprachenlehrbuch zu finden ist. Monsieur Claude ist gut beleibt, hat ein schönes Häuschen auf dem Lande, eine Karriere, eine vorzeigbare Frau und vier perfekte Töchter. Monsieur Claude ist zudem gerade oder besser immer noch, im Kino zu sehen. Monsieur Claude und seine vier Töchter kann wohl gut und gerne als DIE französische (Multikulti-)Komödie des Jahres bezeichnet werden. Selbst in meiner vergleichsweise kleinen Stadt hält sich der Film schon über Monate im Kino. Solange, dass ich dachte, na, da muss doch etwas dransein. Also nichts wie rein.

Tja, der Film um Claude und seine vier Töchter ist wohl das, was man weitläufig ein „Feel-good-Movie“ nennt, viele heikle Themen werden angerissen, nichts wird vertieft oder so angepackt, dass es den Zuschauer in die Reflexion des Erlebten zwingen könnte. Natürlich nicht, denn dann wäre es ja kein „Feel-good-Movie“ mehr, sondern ein ernstzunehmender, kritischer Film, der vermutlich nach einer Spielwoche sang- und klanglos aus den Kinos verschwunden wäre. Woran ich mich störe? Also, wie gesagt, der Herr Claude hat diese perfekte Familie mit den vier Töchter; eine ist hübscher als die andere und dazu noch hochgebildet und natürlich beruflich sehr erfolgreich. Also nichts Besonderes? Wenn ihr jetzt mal gedanklich euren Freundeskreis durchgeht, wie viele – zumindest äußerlich – perfekte Familien fallen euch da ein? Nicht so viel? Komisch, mir auch nicht. Aber weiter. Alles scheint bei Herrn Claude also perfekt zu sein bis, ja bis sich seine Töchter dafür entscheiden zu heiraten. Und sie heiraten nicht irgendjemanden, also eben keinen guten französischen Katholiken. Nein, sie heiraten einen Juden, einen Muslimen und einen Chinesen. Ja und zu guter Letzt dann auch noch einen Farbigen – der aber immerhin Katholik ist!

So, und der Vater dieses farbigen Katholiken von der Elfenbeinküste ist tatsächlich genauso mit stereotypen Vorurteilen vollgestopft wie unser Protagonist, der Monsieur Claude. Hier nährt sich also die Hoffnung, dass es der Film jetzt noch eine metapherartige Wendung nimmt, indem Monsieur Claude der „rassistische Spiegel“ vorgehalten wird – nachdem er ca. 1 Stunde lang so jeden klischeehaften Witz über Juden, Muslime und Chinesen heruntergespult hat, den man sich wohl vorstellen kann. Leider wird auch diese aussichtsreiche Klippe launig umschifft und das Gute bleibt im Ansatz stecken. Der geneigte Zuschauer ahnt es bereits, Monsieur Claude und sein farbiger Gegenpart werden gut Freunde und reiten schließlich zusammen in den Sonnenuntergang beziehungsweise versprechen sich, dass ihre Familien sich gegenseitig in Israel, im Maghreb, in China und eben an der Elfenbeinküste besuchen. Zum Glück, denn das enthebt den Filmbesucher endgültig von der kritischen Auseinandersetzung mit dem angekündigten „Multikulti-„Thema und des Perspektivenwechsels, warum der jeweils ausländische Galan der Töchter eben kein guter französischer Katholik ist und nicht die Erwartungshaltung der Verneuils an den perfekten Schwiegersohn erfüllt und warum das eigentlich auch kein Problem ist. Nein, so wird dem Kinobesucher vielmehr die Chance gegeben, das Kino beschwingt und mit seiner vorgefertigten Meinung über Juden, Muslime, Shintuisten und afrikanische Katholiken zu verlassen. Alles ist also gut – nichts wird infrage gestellt, nichts muss hinterfragt werden. Alles bleibt beim Alten.

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28 Dez 2014

Volksrepublik Volkswagen

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Volksrepublik Volkswagen

Dass deutsche Unternehmen im Ausland Produktionsstandorte unterhalten und je nach Perspektive in den ausgewählten Ländern neue Arbeitsplätze schaffen, die sie zuvor in Deutschland abgebaut haben, ist nichts Neues. Globalisierung ist das dazugehörige Zauberwort, mit dem sich interessanterweise so ziemlich alles erklären lässt: Standortschließungen in Deutschland, Umsatzsicherung im Ausland, Vorherrschaft auf attraktiven Märkten.

Was es für deutsche Manager und ihresgleichen heißt, von beispielsweise Wolfsburg nach Changchun zu gehen oder umgekehrt für chinesische Mitarbeiter nach, sagen wir Hannover zu kommen, bleibt oftmals unbeleuchtet. Man lebt sich halt irgendwie ein und schreibt entweder E-Mails mit skurrilen Begebenheiten an die Daheimgebliebenen in Deutschland oder sendet Video-Botschaften an die Familie in China über die mangelnde Effizienz deutscher Arbeiter. So zeigt es jedenfalls das Stück „Volksrepublik Volkswagen„, das derzeit im Schauspielhaus Hannover zu sehen ist.

In seiner Inszenierung von „kopierten Managern“, „überkandidelten PR-Beauftragten“ und „aufmerksamen moralisch-angespitzten VW-Begleitfrauen“ scheint es dem Regisseur Stefan Kaegi nicht um interkulturelles Handlungswissen zu gehen, wie es zum Beispiel interkulturelle Trainings zu vermitteln meinen. Nein, vielmehr wird der Zuschauer mit der Aufeinanderfolge von Kuriositäten, Nichterklärbarem und Unverständlichem alleine gelassen. Was er mit dem Gesehenen macht oder besser: was er daraus macht, das muss er selbst entscheiden.

Eines wird aber deutlich: Von einem „globaliserten Zusammenrücken“ der Kulturen der Welt kann keine Rede sein, die Protagonisten bleiben jeweils in ihrer eigenen Welt verhaftet und versuchen entweder das Beste aus ihrem Aufenthalt zu machen oder freuen sich schon wieder auf das nach-Hause-kommen. Hier fehlt dem Stück leider der Ausblick auf das weitere Miteinander, Nebeneinander oder die Kolonialisierung der chinesischen Lebenswelt, wie es einst David Bowie so passend in seinem Song „Little China Girl“ mit den Worten

My little China girl you shouldn’t mess with me
I’ll ruin everything you are
You know I’ll give you television, I’ll give you eyes of blue
I’ll give you a man who wants to rule the world

formuliert hat?

Zum Weiterlesen:

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